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Interview mit Dr. Bernd Villhauer

Interview mit Dr. Bernd Villhauer, Geschäftsführer des Weltethos-Instituts, Tübingen

Guten Tag Herr Dr. Villhauer! Willkommen zum Gespräch anlässlich des 6. Führungssymposiums für den Mittelstand in Stuttgart.

Sie nehmen nun schon zum wiederholten Male am Führungssymposium teil. Was gefällt Ihnen daran?

Ja, wir sind sozusagen schon von Anfang an dabei. Als Weltethos-Institut sind wir ein Kooperationspartner der Manufaktur für Führungskultur im Mittelstand e.V. Für uns ist das Symposium besonders interessant, weil wir bei der Manufaktur auf Praktiker treffen, die den Betriebsalltag kennen und Lust auf Ideen und Menschen haben. Man trifft hier also nicht auf irgendwelche abgehobenen Theoretiker, sondern man findet hier Leute mit vielfältigen Erfahrungen und einem enormen Wissen aus der Praxis. Das sieht man auch schön im Führungssymposium abgebildet. Man findet hier Menschen, die sich für andere Menschen interessieren und sich aber auch für neue Ideen begeistern. Außerdem bietet das Programm eine schöne Balance zwischen Theorie und Praxis. Das ist gut, um Kontakte zu knüpfen und neue Ideen aufzugreifen.

Was hat sich im Laufe der Zeit geändert?

Ich finde, dass das Symposium im Laufe der Zeit mutiger geworden ist. So werden beispielsweise zunehmend außergewöhlliche Themen oder Persönlichkeiten in den Mittelpunkt gestellt. Mein subjektiver Eindruck ist, dass ich mich hier auch mit Themen beschäftigen kann, die mir sonst in meinem Alltag nicht begegnen.

Während des heutigen Symposiums war oft davon die Rede, den Mitarbeiter in das Zentrum zu stellen. Wie kommt es Ihrer Meinung nach zu dieser geänderten Einstellung gegenüber Mitarbeitern?

Geht man in der Geschichte zurück, finden sich immer schon einzelne kluge Unternehmer, die ihren Mitarbeitern zugehört haben. Die besten Führungspersönlichkeiten haben schon immer auch von ihren Mitarbeitern gelernt! Der notwendig gewordene geänderte Blick auf die Mitarbeiter heutzutage liegt vor allem an der veränderten Gesamtsituation, an Beschleunigung und Professionalisierung. Es gab sicherlich Zeiten, wo der „Boss“ selbst genug Zeit hatte, Ideen zu entwicklen und Strategien zu formulieren. Aber jetzt ist Kooperation und Teamwork wichtiger geworden; heute müssen Unternehmer in einer sich immer schneller und stärker ändernden Welt das ganze Lernpotenzial, welches es in ihrem Unternehmen gibt, unbedingt nutzen. Dies ist notwendig, um zukünftig überleben oder wachsen zu können. Das heisst nicht, dass Führung verschwindet. Im Gegenteil, wir brauchen immer noch Leute, die Ziele setzen und sagen, wo es lang geht. Aber um diesen Weg zu gehen, dafür braucht man zunehmend Rückkopplungen mit der „kollektiven Intelligenz“, die im Unternehmen vorhanden ist.

Was braucht eine „ideale Führungskraft“? Was macht sie aus?

Aus meiner Sicht, sind das drei Dinge: Große Ohren, ein großes Herz und ein starker Wille. Nur alles zusammen macht Sinn. Wenn jemand nur zuhören kann, aber nicht handelt, dann nutzt es gar nichts. Wenn jemand nur ein großes Herz hat, dann kann er eventuell keine harten Entscheidungen treffen, weil er darunter selbst leidet. Wenn derjenige nicht hinhört und nur einen starken Willen hat und immer allein entscheiden muss, dann werden auf Dauer die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Glauben Sie, dass es solche Unternehmerpersönlichkeiten von Natur aus gibt, oder werden solche Persönlichkeiten im Laufe der Zeit geprägt bzw. ist Führung lernbar?

Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Es gibt Persönlichkeiten, die sind aufgrund ihres persönlichen Hintergrundes und ihrer Erziehung bereits von Haus aus empathisch, strukturiert und führungsstark. Diese können z. B. Gruppen begeistern, zusammenführen und motivieren. Aber ich glaube, dass ein Großteil auch erlernbar ist. Ich bin davon überzeugt, dass bestimmte Fort- und Weiterbildungen auf diesem Gebiet an die 80 bis 90 % der Lernwilligen auch in die Lage versetzen, besser zu führen. Bei einigen ist sicherlich Hopfen und Malz verloren. Aber es gibt eine mittlere Gruppe, die man auch zum Führen führen kann.

Heutzutage nimmt die Digitalisierung einen immer größeren Raum ein. Das persönliche Gespräch, der direkte Kontakt scheinen aber dennoch ein wichtiger Bestandteil von Führung zu sein. Wie kann man dies

Zunächst einmal gibt es keine Patentlösung für verschiedene Industrien. Es gibt verschiedene Betriebe, wie informationsverarbeitetende Unternehmen, die ganz anders agieren als produzierendes Gewerbe oder Dienstleister, Handel etc. Für jeden dieser Bereiche gibt es einen Grad an Digitalisierung, der passt. Zu jeder Digitalisierung gibt es aber auch eine „Analogisierung“. Sie haben Homeoffice, aber dann brauchen sie auch regelmäßig Präsenszeiten. Das heißt, dass eine alleinige digitale Führung bzw. distanziertes Arbeiten nicht so einfach funktioniert. Je nach Branche und Produkt wird sich das unterschiedlich austarieren. Wenn es z. B. um Baustellen oder darum geht, Infrastrukturprojekte einzurichten, dann ist die persönliche Anwesenheit unmittelbar notwendig. Sie müssen vor Ort sein, mit den Teams gemeinsam den Ort in Augenschein nehmen etc., weil sonst die entscheidenden Dinge übersehen werden.

Braucht Führung Strukturen?

Führung braucht unbedingt einerseits Strukturen und andererseits Persönlichkeiten, die innerhalb dieser Strukturen gut agieren können. Es gibt eine alte Debatte, auch im Bereich der Wirtschaftsethik: Sind die Menschen wichtiger oder die Systeme bzw. Strukturen? Das ist eigentlich eine Scheinfrage. In Systemen sind immer Menschen – und Menschen werden immer durch Systeme beeinflusst. Beides zusammen ist entscheidend.

Heute leben viele unterschiedliche Menschen mit oftmals unterschiedlicher Sozialisation zusammen. Wie gelingt es, eine gemeinsame Wertebasis zu schaffen?

Das ist natürlich eine Steilvorlage für das Weltethos-Institut. Wir beschäftigen uns hier vornehmlich mit der Frage: Wie können wir es in einer Welt, in der es so viele Kulturen, Religionen, Sichtweisen und unterschiedliche Auffassungen gibt, schaffen, friedlich zusammenzuleben und zusammenzuarbeiten? Das Einzige, was da hilft, ist ein knallharter Realismus. Also zu sehen, was funktioniert, sprich, welche Gemeinschaften funktionieren mit welchen Werten? Das kann ganz unterschiedlich aussehen. In dieser heutigen Welt kann man also nicht mal schnell sagen, dass ist die Patentlösung.
Aber es gibt sicherlich Werte, die sind über alle Kulturen und Religionen hinweg wirkmächtig geworden. Beispielsweise der Begriff Wahrhaftigkeit. Also dass man ehrlich miteinander umgeht, eine gewisse Transparenz lebt. Das schafft, über alle Kulturen hinweg, Vertrauen. Egal, welcher Religion jemand angehört oder welche Interessen er vertritt. Wenn zu spüren ist, dass derjenige, der etwas zu sagen hat, glaubhaft ist und ernsthaft versucht die Realtät darzustellen, dann wird sich auch eine gewisse Basis für eine Zusammenarbeit finden lassen.

Darüberhinaus stellt sich die Frage, welche Rolle man in einer Machtkonstellation spielt. Man spricht gern davon, dass man ja über alles miteinander reden kann. Da kommuniziert der Chef mit der Putzfrau und der Betriebsleiter mit seinen Mitarbeitern – angeblich alles ganz locker.Von wegen! Bei Führung geht es um Machtverhältnisse und die sind immer asymetrisch. Das kann gewalttätig oder aber auch friedlich, zivil sein. Wenn ich Angst habe, dass jedes Gespräch gegen mich verwendet werden kann, dann ist das etwas ganz anderes, als wenn diese Gespräche in einer einigermaßen angstfreien Atmosphäre stattfinden.

Wird in Deutschland Macht häufiger als anderswo über Angst ausgelebt?

Ich glaube, dass die deutsche Problematik viel mit Kompetenz und Sachverständnis zu tun hat. Wer etwas von seiner Sache versteht, weiss also wo es langgeht – das lieben wir Deutschen. Wer die technische, mathematische Lösung präzise präsentiert, dem wird zugehört, der hat die Macht. Ich denke nicht, dass die Deutschen per se die Macht anbeten oder gefährdeter sind als andere Länder. Gerade wenn man beispielsweise an die Briten denkt. Dort findet man eine Klassengesellschaft, die ganz stark hierarchisch ausgerichtet ist. Dem gegenüber haben die Deutschen eine viel entspanntere Sicht auf die Dinge. Aber was man schon sagen kann, ist: Wir beten in Deutschland den Experten an und neigen dazu, ihm alles zuzutrauen. Hier schlägt sozusagen die Fachlichkeit die Persönlichkeit. Das ist aber eventuell sehr gefährlich. Jemand kann fachlich hervorragend sein, hat aber hinsichtlich Führung keinerlei oder nur geringe Kompetenzen. Dann nutzt demjenigen sein sachliches Wissen nur wenig. Das wird in Deutschland manchmal übersehen, wenn es um Führung geht. Beispielsweise kann bei uns in einer Talkshow immer jemand damit punkten, wenn er fordert, die Diskussion zu versachlichen. Und wenn dann noch eine Statistik angeführt werden kann, dann ist für uns alles gut. Ob das für die Zukunft reicht?

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